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Izabela Czartoryska – Fragmente der Memoiren (Teil 2)

Während meines Aufenthalts in Tuczyn erfuhr ich, dass Herr Boreyko, ein Bürger von Wolhynien, einen seltenen Garten besitze, was die Auswahl der Sträucher und Bäume betrifft. An einem schönen Tag machte ich mich daher mit Adam Walewski, dem Bruder des Wojewoden, auf den Weg zu ihm.

Schon im Hofe angekommen, kam mir erst der Gedanke, wie sehr Herr Boreyko sich wohl wundern müsse, da er mich nicht kannte und über meinen Besuch nicht benachrichtigt worden war. Doch in einem polnischen Haus ist es vergeblich, sich über den Empfang zu sorgen. Noch wusste Herr Boreyko nicht, wer kam, und doch zeigte sein Gesicht, dass er sich über den Gast freute. Als ich ausstieg und er mich fragte, wer ich sei, antwortete ich, dass ich, da ich schon lange wisse, dass die Czartoryskis immer mit den Boreykos befreundet gewesen seien, ohne Bedenken in sein Haus gefahren sei. Daraufhin fragte er mich noch, ob ich nicht die Gattin des Fürsten Adam sei, und als er sich davon überzeugt hatte, wusste er vor Freude nicht, was er tun sollte.

Seine Frau und zwei anmutige, sehr junge Töchter umgaben mich – wenn ich so sagen darf – mit Freundschaft, Fürsorge und Aufmerksamkeiten. Ein vortreffliches Mittagessen erwartete mich, nach dem mich der Hausherr mit seinen Töchtern in den Garten führte. Schon der Ort selbst war heiter, grün und gepflegt und bot einen angenehmen Spaziergang. Darüber hinaus erstaunte mich die seltene Sammlung von Pflanzen, Bäumen, Sträuchern und Blumen sehr. Die Töchter des Herrn Boreyko – von denen die älteste höchstens zehn Jahre alt war – kannten alle Namen der Pflanzen, ihr Herkunftsland und ihre Eigenschaften. Der zuvorkommende Hausherr beschenkte mich mit einer beträchtlichen Anzahl verschiedenster Sträucher und schien glücklicher darüber, sie mir zu überlassen, als solange sie noch seinen eigenen Garten schmückten.

Nach der Rückkehr nach Tuczyn fanden wir alle in heiterer Stimmung.

Paweł Bieliński – Streit mit Frau Sewerynowa – Entscheidung über die Verbindungen mit E.

Von Tuczyn aus brach ich mit Zosia nach Podolien auf. Im zweiten Wagen fuhren Adam Walewski, Major Orłowski und Herr Jan Goltz. Erste Station war in Zienków. Dieses Gut, von den Eltern meines Mannes ererbt, liegt in schöner Lage. Das Schloss auf hohem Berg, mit weitem Ausblick. Wenig Bäume, was sehr schadet und der Schönheit viel nimmt.

Antonin

Von Mikołajów fuhr ich nach Antonin, wo Fürst Eustachy Sanguszko seinen Sitz hat. Da ich die Czartoryskis hinter mir hatte, war es mir umso angenehmer, in Antonin einzukehren. Freundlich aufgenommen – vom Ehemann derb, von der Ehefrau höflich – verbrachte ich dort sehr fröhlich zwei Tage.

Er, mit der Wirtschaft beschäftigt, führte mich über das Gut; sie, den Garten lieben wollend, ging darin mit mir spazieren. Die Kinder waren hübsch, aber ausgelassen, man hörte sie unaufhörlich, obwohl sie keinen Moment im Zimmer saßen; alle Türen standen offen, nichts ließ sich verbergen.

Als ich von Mikołajów abreiste, erklärten mir die Granowski-Kosaken, dass sie mich bis zur Grenze unserer podolischen Güter begleiten müssten. Ihrer waren etwa dreißig. Der Weg führte ganz durch den Wald und wurde schon bei Nacht zurückgelegt, sodass sie nicht erkennen konnten, wo unsere Ländereien endeten. So kam es, dass diese Schar Kosaken mir bis nach Antonin folgte.

Am folgenden Abend trat ich in den Hof hinaus und fand zu meinem Erstaunen meine Kosaken, die hockend auf dem Platz Met tranken, um eine gewaltige Schüssel, auf der Hammelfleisch, Grütze, Speck und andere für sie zubereitete Spezialitäten ihre Laune und ihren Frohsinn belebten. Am meisten aber verwunderte mich, dass Fürst Eustachy bei ihnen saß, mit ihnen aß und den Met in Gläsern trank. Sobald sie mich erblickten, riefen sie alle zugleich: „Es lebe unsere Kniagini!“ Die Bandurka war bereit, und nach dieser Vesper folgte ein fröhlicher Tanz. Erst die Nacht zerstreute sie.

Als sie mich herzlich verabschiedeten, schlossen sie mit den Worten: „Gott gebe unseren Herren Gesundheit, und wenn sie uns je brauchen sollten, ist jeder Granowski-Kosak bereit, sein Leben für sie hinzugeben.“

Mizocz

Von Antonin kehrten wir wieder nach Mizocz zurück. Freundschaft und Dankbarkeit zogen mich dorthin. Nachdem wir einige Tage verweilt hatten, wollten wir schon nach Puławy zurück, als Frau Karwicka mich selbst zu einer Vesper nach Stubełko einlud, einem Dorf nahe Mizocz, wo sie ein schönes Haus, einen englischen Garten, eine malerische Lage, ein ordentliches Dorf und ein gut bewirtschaftetes Gut besaß. Dort verweilten wir bis spät.

Als wir mit Kutschen zurückkehrten und uns Mizocz näherten, sahen wir es plötzlich ganz in Flammen stehen. Es war die Folge einer so reichen und ausgedehnten Illumination, dass es schien, als stünde das ganze Land in Brand.

Wir stiegen aus und gingen ohne Führer, nach Belieben verschiedene Wege durch den Garten. Dem schönsten Licht folgend, gelangten wir zu einem dunklen Felsen, in den ein Weg gehauen schien. Durch ihn tretend, kamen wir zu einer Hütte, kunstvoll aus Rinde und Moos geflochten. Darin saß ein Einsiedler. Er empfing uns aufs Beste. Sodann, wie von Eingebung getragen, begann er, mir die Zukunft zu weissagen, seine Prophezeiungen durch die Erzählung der Vergangenheit stützend – beides auf die schmeichelhafteste, freundlichste und höflichste Weise für mich und die, die mir am liebsten sind.

Der Einsiedler nahm mich bei der Hand und führte mich auf einem wunderschönen, blumenreichen Weg bis an ein Bächlein. Dort bot sich mir ein Anblick, den ich nie vergessen kann.

Auf einer Anhöhe, zwischen Bäumen, eine Schar schöner Frauen in weißen Kleidern, an ihrer Spitze Frau von Mizocz selbst. Sie umringten den Ort, Kränze und Blütenketten in den Händen. In ihrer Mitte lag jener Stein, auf den ich bei meinem ersten Aufenthalt geschrieben hatte: Möge Liebe mit Freundschaft das Band eures Lebens flechten, und möge die Zeit ihm Blumen hinzufügen. Dieser gleiche Stein lag nun inmitten des lichten Kreises. Ein Greis, der die Zeit darstellte, schien ihn mit seiner Sense tilgen und vernichten zu wollen. Doch die Kinder der Karwickis, anmutig und im kindlichen Alter, in weißen Tuniken, verteidigten den Stein, entrissen ihn der Zeit, stießen sie mit ihren Händchen zurück und schützten damit den Ausdruck meines Dankes an die Eltern.

Jeder mag ermessen, wie ich darauf blickte. Von Tränen überströmt, wusste ich mein Gefühl nicht auszudrücken; Herz und Geist waren zugleich bewegt. Ob ich damals auch nur lallen konnte, was ich in mir empfand, weiß ich nicht; doch möge auch diese Schilderung mein Dankeszeugnis, vielleicht meine Rührung sein und ein Andenken für die Zukunft an jenen Tag, den ich nie vergessen kann.

Sielec

Von dort hielten wir nirgends mehr, bis nach Sielec bei den Czackis. In Polen ist jedes Haus gewiss gastlich, und in Sielec erfuhr ich es. Das Schloss nur im Entwurf. Die Wirtschaftsgebäude gewaltig, doch die Unordnung noch größer. Die Zimmer kalt, schmutzig. Man hatte für uns eben Türen und Fenster frisch mit Ölfarbe gestrichen, den Ofen gerade frisch verputzt; alles roch so stark, dass wir des Morgens, nach dem Erwachen, vor Kopfschmerzen fast krank waren. Doch die freundliche Gastlichkeit, die offenen Herzen, der Wille, Freude und Freundschaft zu zeigen, überwogen alles.

Viele schlechte Bilder an den Wänden der Prunkzimmer. Von der Besitzerin selbst standen Leinwände auf Rahmen gespannt, noch auf den Staffeleien, nur auf Farbe und Pinsel wartend, die daneben lagen. Die Czackis hatten lange in Italien geweilt. Sie wollte die Malerei erlernen; er vertraute seiner Frau, die er liebte, dass dieser Wunsch gute Früchte tragen werde. Daraus ergab sich eine große Zahl unschöner Bilder.

Am Tag nach meiner Ankunft, nach dem Frühstück, führte man uns überall hin. Wir begannen mit dem Platz, auf dem das Schloss entstehen sollte. Damals lagen nur einige tote Ratten darauf, und Schweine wühlten in der Erde. Die Lage sehr angenehm, könnte ein schöner Garten werden. Das Haus auf einer ziemlich hohen Anhöhe, unten gleich ein großer, klarer, seltener Teich. In seiner Mitte eine so große Insel, dass ein Gutshof darauf Platz fand, von mächtigen Bäumen umgeben. Frisches Grün, viel Vieh – der Anblick war sehr schmuck. Auf der anderen Seite hatte Frau Czacka selbst einen Garten angelegt, aber damit begonnen, die alten, hundertjährigen Bäume zu fällen. An ihre Stelle traten Sträucher, die sie selbst gepflanzt hatte; doch dieses Kleinod konnte die ehrwürdige, wahrhafte Schönheit der Eichen, Ahorne und anderen alten Bewohner dieser Gegend, deren Schatten sicher Generationen beschirmt hatte, nicht zurückbringen.

Nach diesem angenehmen Spaziergang kehrte ich ins Haus zurück und erhielt die seltsamste, am wenigsten erwartete Nachricht – so unwahrscheinlich, dass es wie ein Märchen klang.

Beim Eintritt in die Diele erblickte ich den Verwalter aus dem Dorf Puławski, Jędrzej Jendruchowicz. Erfreut, etwas aus Puławy zu sehen, begann ich mit ihm zu reden, bevor ich die Kiste mit Briefen öffnete. Ich fragte nach tausend Einzelheiten, da bat mich mein Bauer, die Briefe sogleich zu lesen, denn er sei Tag und Nacht gelaufen, um mir zu melden, dass Kaiser Alexander in einigen Tagen nach Puławy kommen werde. Ich lachte darüber wie über eine Fabel, die man ihm eingeredet habe, damit er sich mit anderem Geschäft beeile. Doch beim Öffnen fand ich ein Dutzend Briefe, die dasselbe meldeten und meine Rückkehr dringend verlangten. Mein Sohn Konstantin, mein Schwiegersohn Zamoyski, meine Tochter, andere Freunde – alle schrieben mit eindringlicher Mahnung, ich solle so bald wie möglich nach Puławy zurückkehren.

Ich vermag nicht zu schildern, welche Erregung diese Nachricht in mir hervorbrachte. Höchst erstaunt, hielt ich es im ersten Augenblick für Traum, Täuschung oder Einbildung. Doch nach nochmaligem Lesen der Briefe überzeugte ich mich, dass es die reine Wahrheit sei, und dass ich unverzüglich abreisen müsse.

Da trat Herr Czacki, der Unterkämmerer, herein mit der Beschreibung der Feste, die man für mich vorbereitet hatte. Sie sollten sich im Laufe jenes Tages vollziehen: eine italienische Oper, eine polnische Komödie, eine Fahrt auf dem Teich, eine Vesper auf der Insel, ein Ball am Abend, Illumination in der Nacht.

Erschrocken vor so großer Unterhaltung, überwältigt von der aufrichtigen Güte der Herzen, die dies bereitet hatten, vergaß ich für einen Augenblick die Vielzahl der Feste, die Kürze der Zeit, ja selbst die Ankunft Alexanders. Nur den Dank für ihre Zuneigung, ihr Gefühl, ihre Freundschaft bemühte ich mich auszudrücken.

Ich gestehe, da ich mich noch nicht von der Ankunft Alexanders zu überzeugen vermochte, scheute ich mich, die Gründe meiner plötzlichen Abreise aus Sielec bekanntzugeben. Es schien mir, als brächte das nur Lachen und Spott. Doch nach reiflichem Erwägen fühlte ich, dass es in jedem Fall besser sei zu fahren, ja dass Eile in dieser Lage notwendig war, und dass die Nachricht, von so vielen bestätigt, gewiss sein musste. Ich spürte, dass keine andere Begebenheit mich von den Festlichkeiten in Sielec hätte abhalten können, außer gerade dieser, die so unerwartet eintrat.

Ich eröffnete die Angelegenheit und legte die Briefe vor, bat um Entlassung, den stärksten Schmerz ausdrückend, so viele schöne Dinge nicht zu sehen. Alle waren darüber bestürzt! Verschiedene Urteile folgten, doch ich sorgte für Pferde und reiste Tag und Nacht nach Puławy zurück, in einem offenen Wagen, mit Zosia und einem Diener. Regen, Kälte und Wind setzten uns zu.

Doch wir gelangten am dritten Tag nach Empfang der Briefe an, erschöpft zwar, aber gesund. Je näher ich Puławy kam, desto mehr regte sich Bewegung wegen der Ankunft des Kaisers. Bei Konkowola fand ich ein russisches Lager von etwa 30.000 Mann. Felder bedeckt mit Artillerie, Zelten. Eine halbe Meile vor Puławy traf ich Herrn Zamoyski, der mich anhielt und in neue Verwunderung versetzte, indem er mir sagte, dass Wintzingerd und andere Generäle mir rieten, nicht nach Puławy zu fahren, da der Kaiser nur durchreisen und nicht verweilen wolle, dass er verborgen bleiben wolle und nicht wünsche, empfangen zu werden. Einen Augenblick hielt mich das zurück, doch bald wies mir die Vernunft einen anderen Weg. Ich urteilte, dass es unmöglich sei, einmal dort zu sein und wieder umzukehren, und befahl, zum Schloss zu fahren.


 
 
 

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